I. Was ist eine Angststörung?
Eine Angststörung (neurotische Angst, irrationale Angst), tritt scheinbar grundlos auf, und kehrt immer wieder, ist übermäßig.
Zunehmend mehr Menschen entwickeln panische Angst vor und in Situationen, die objektiv gar nicht gefährlich sind. Sie erleben dabei Veränderungen am Körper, im Denken und Verhalten wie starke Unruhe, Herzrasen, Atembeschwerden, Schwindelgefühle, Hitzewallungen oder Kälteschauer, Angst vor Kontrollverlust, etc. Solche unbegründete Ängste können auch phasenweise oder anhaltend das Gefühl, schwer krank zu sein, vermitteln.
Die Betroffenen fürchten überdies, dass eines Tages ihre Angst unerträglich stark wird oder nicht wieder aufhören könnte. Dabei zeigen uns wissenschaftliche Untersuchungen, dass Angst nur bis zu einem bestimmten Ausmaß steigen kann und nach einiger Zeit auf diesem Level wieder geringer wird.
Als Strategie zur Vermeidung beginnen viele Betroffene daher, Angst auslösenden Situationen aus dem Weg zu gehen, was allerdings erst recht zu einem Kreislauf von Angst vor der Angst führt und das soziale Leben oft immer mehr einschränkt.
Über die Entstehung von Angststörungen gibt es keine einheitliche Theorie. Biologische Anlage, innerpsychische Konflikte, ängstliche Eltern und traumatisierende Erfahrungen sind alles Faktoren, die zur Entstehung von Angst beitragen. Ängste spielen auch im Zusammenhang mit anderen psychischen Störungen wie z.B. Depression eine wichtige Rolle.
II. Panikstörung
Bei dieser Erkrankung treten wiederholt Attacken auf, die nicht auf spezifische Situationen oder Objekte bezogen sind. Panikattacken kommen spontan und sind nicht vorhersagbar.
Innerhalb weniger Minuten steigert sich die Angst bis zu ihrem Höhepunkt. Es treten psychische Anzeichen wie Schwindelgefühl, Unsicherheit, Angst vor Kontrollverlust oder Angst zu sterben auf. Sie sind meist begleitet von ausgeprägten körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schweißausbrüchen, Beklemmungsgefühlen, Atemnot und Zittern.
Häufig entwickelt sich eine verständliche Erwartungsangst, wann und wo man von der nächsten Attacke überfallen wird. Als Folge leiden Betroffene oft auch unter Isolation und sozialem Rückzug.
III. Generalisierte Angststörung
Hierbei handelt es sich um lang anhaltende Angst, die nicht nur auf bestimmte Situationen oder Objekte begrenzt ist.
Es bestehen Anspannung, Besorgnis und Befürchtungen in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme. Man kann sich nur kurzfristig von dieser Angst ablenken oder distanzieren. Typische Symptome sind:
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Motorische Spannung wie Zittern, Muskelanspannung und Ruhelosigkeit
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Unkontrollierbare Übererregbarkeit, Beklemmungsgefühle, Schwitzen, Mundtrockenheit und Schwindel
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Übermäßige Wachsamkeit und erhöhte Aufmerksamkeit, ein Gefühl der Anspannung, übermäßige Schreckhaftigkeit, Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten und Reizbarkeit
IV. Phobie
Unter Phobie versteht man eine unvernünftige, sich entgegen besserer Einsicht zwanghaft aufdrängende Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen.
Die häufigsten Erscheinungsformen sind
ist Angst vor Situationen, in denen man sich außerhalb der gewohnten Umgebung aufhält. Der Inhalt der Angst besteht vor allem darin, nicht flüchten zu können.
Typische Situationen sind öffentliche Plätze, Menschenmengen und weite Entfernung von zu Hause.
Auch hier treten vegetative Symptome wie Herzklopfen, Schweißausbrüche, Tremor, Atembeschwerden und psychische Anzeichen wie Schwindelgefühl, Unsicherheit, Derealisation und Angst vor Kontrollverlust auf.
Die Betroffenen meiden die angstauslösenden Situationen, was die Bewegungsfreiheit zunehmend einschränkt. Agoraphobie tritt häufig in Verbindung mit einer Panikstörung auf.
ist eine anhaltende, starke Angst vor Situationen, in denen die Betroffenen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Die soziale Phobie tritt häufig in Verbindung mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik auf.
Typische Situationen sind soziale Kontakte wie Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit, Begegnung mit Bekannten, Hinzukommen oder Teilnahme an kleinen Gruppen, wie z.B. Partys, Konferenzen oder in Klassenräumen. Besonders unangenehm sind im universitären Bereich die Angst vor Referaten oder Vorträgen vor Publikum oder Prüfungsangst.
Körperliche Symptome sind Erröten, Vermeidung von Blickkontakt, Händezittern, Übelkeit und Harndrang.
Der Betroffene weiß, dass die Angst unvernünftig ist, kann sich aber kaum dagegen wehren und versucht deshalb, die angstauslösenden Situationen zu vermeiden.
ist anhaltende Angst vor einem spezifischen Objekt oder einer bestimmten Situation. Solche Ängste sind weit verbreitet, sie werden erst dann als krankhaft bezeichnet, wenn sie den Tagesablauf, die üblichen Aktivitäten oder Beziehungen beeinträchtigen oder erhebliches Leid verursachen.
Typische Formen sind: Angst vor Tieren (z.B.: Hunden, Schlangen, Spinnen), Angst vor Blut, Angst vor geschlossenen Räumen, Höhenangst, Flugangst oder Angst vor Ansteckung.
Obwohl auch hier die Einsicht über die Übertriebenheit und Unvernunft der Angst vorhanden ist, bestehen eine deutliche emotionale Belastung durch die Symptome oder Vermeidungsverhalten.
V. Posttraumatische Belastungsstörung (PTB)
ist eine mögliche Folgereaktion auf ein traumatisches Ereignis.
PTB zählt zu den häufigen psychischen Störungen. Sie tritt meist innerhalb der ersten 6 Monate nach dem Ereignis auf, kann sich aber auch mit mehrjähriger Verzögerung zeigen.
Auslöser sind: ein kurz oder lang anhaltenden Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem Ausmaß wie z.B. Erleben von körperlicher oder sexualisierter Gewalt (auch in der Kindheit), Krieg, Haft, Katastrophen, Unfälle oder die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung,...
Die Symptome bestehen in einer starken Angstreaktion, Nachhallerinnerungen (Flash-backs), Schlafstörungen und Albträumen.
Alle Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr in Zusammenhang stehen, werden angstauslösend empfunden und häufig vermieden.
Ist eine Person einem traumatisierenden Ereignis ausgesetzt gewesen, ist es besonders wichtig, möglichst bald Gespräche über das Erlebte zu ermöglichen. Durch eine solche Auseinandersetzung mit den Gefühlen kann das Entwickeln einer PTB oft verhindert werden. Die posttraumatische Belastungsstörung wird psychotherapeutisch ähnlich wie andere Angststörungen behandelt.
VI. Was tun bei einer Angststörung?
Der erste Schritt besteht in der Erkenntnis, dass man unter einer Angststörung leidet.
Persönliche Missdeutungen machen Panikattacken oft zu Herzanfällen oder anderen körperlichen Krankheiten, Phobien werden als berechtigt empfunden und die Einschränkungen als notwendiges Übel hingenommen. Tatsächlich ist die Grenze zwischen einer realistischen Angst und einer Phobie oft fließend.
Eine simple Selbsthilfe-Aktion besteht bspw. darin, sich der angstauslösenden Situation bewusst auszusetzen und zu erfahren, dass die Angst nach einiger Zeit wieder abklingt und nichts wirklich passiert ist. Auch die Beobachtung der eigenen auslösenden Gedanken und deren Relativierung in der Realität kann hilfreich sein.
Therapeutische Interventionsmöglichkeiten
Wenn solche Selbsthilfeversuche nichts fruchten, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch! Bei der Behandlung von Angststörungen gibt es mehrere Ansätze, wobei mitunter auch eine Kombination aus medikamentöser, psycho- und sozialtherapeutischer Verfahren eingesetzt wird.
Im psychotherapeutischen Kontext können Sie mit professioneller Unterstützung mehr Einsicht in die Entstehung, Aufrechterhaltung und Funktion von Angststörungen gewinnen und Möglichkeiten finden, diese Ängste zu bewältigen. In der therapeutischen Beziehung können unbewusste Konflikte, die der Angst zugrunde liegen, bearbeitet werden. Häufig ist eine Konfrontation mit angstauslösenden Situationen mit therapeutischer Unterstützung hilfreich und notwendig; auch das Erlernen von verschiedenen Entspannungstechniken sowie die Auseinandersetzung mit Denkmustern, die Ängste aufrechterhalten, kann in diesem Zusammenhang unterstützend sein.
Für weitere Informationen oder ein persönliches Gespräch mit uns vereinbaren Sie einfach einen Termin. Psychologische Beratungsstelle für Studierende
© Jutta Fladenhofer-Priller
VII. Literatur und Links
Literatur:
Wolf, Doris: Ängste verstehen und überwinden. PAL Verlag, Mannheim 1998
Metzig, Werner und Schuster, Martin: Prüfungsangst und Lampenfieber. Springer Verlag, Berlin 1998
Links:
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Lexikon der Angst- und Panikstörungen aus „medicine worldwide“
www.onmeda.de/krankheiten/angst_und_panikstoerungen.html


