Depressionen



 

I. Was ist eine Depression?


Sie zeigt sich in einem Zustand, der vom üblichen Verhalten des Betroffenen abweicht und sowohl seine Stimmungslage und Gefühle betrifft, als auch das Verhalten, die Arbeits- bzw. Studierfähigkeit, die körperliche Gesundheit, soziale Aktivitäten und die Fähigkeit, den Alltag zu meistern.

Wenn Sie einschätzen möchten, ob sie in einer Depression stecken, kann Ihnen als erster Schritt der folgende Kurzfragebogen helfen. Wenn bei dieser Selbsteinschätzung mehr als vier Fragen auf Sie zutreffen und das auf einen Zeitraum von mehr als 2 Wochen, dann leiden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer depressiven Verstimmung:

C H E C K !  

  • Fühle ich mich seit einiger Zeit durchgängig traurig, niedergeschlagen oder hoffnungslos?
  • Empfinde ich keine Freude, kein Vergnügen mehr, habe ich an vielem oder gar allem, was mich früher interessiert hat, das Interesse verloren ?
  • Bin ich ständig müde, erschöpft oder fühle ich mich wie ausgebrannt?
  • Habe ich keinen Appetit mehr? Habe ich abgenommen?
  • Kann ich seit längerer Zeit schlecht schlafen? Leide ich unter Ein- und Durchschlafstörungen oder wache ich jeden Morgen sehr früh auf?
  • Fühle, bewege ich mich und denke ich wie mit angezogener Handbremse oder
    umgekehrt wie unter Strom?
  • Habe ich mein sexuelles Verlangen verloren?
  • Fühle ich mich wertlos, unfähig, als Versager und an allem Schuld?
  • Habe ich in letzter Zeit auffällige Konzentrationsschwierigkeiten, kann ich mir nichts mehr merken?
  • Erscheint mir das Leben so sinnlos, bin ich so verzweifelt, dass ich manchmal daran denke, Schluss zu machen?


(Fragebogen nach: Wittchen, H.U. et al., 1995)
 

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II. Was können die Auslöser für eine Depression sein?


Betroffene aus dem universitären Bereich empfinden folgende äußere Situationen oder innere Haltungen oft belastend: 

  1. Die große Umstellung, die der Einstieg ins Studium mit sich bringt, wie z.B.: die größeren Anforderungen an die Selbständigkeit und Selbstorganisation, das Wegfallen des gewohnten Freundes- und Kollegenkreises, womöglich verbunden mit einem Ortswechsel.
  2. Der Aufbau neuer Kontakte fällt schwer, Einsamkeit droht.
  3. Scheitern an Prüfungen oder Stagnation bei der Diplomarbeit und dadurch erlebte Misserfolge und Kränkungen.
  4. Vermeidungsverhalten gegenüber dem Studium verbunden mit Studienverzögerungen und Belastungen des Selbstwertgefühls.
  5. Schwierige Ablösung von der Familie.
  6. Verlust eines geliebten Menschen: Trennung einer Liebesbeziehung, Tod eines Elternteils bzw. nahen Verwandten, Scheidung der Eltern.


Aber unabhängig von der Ursache: eine Depression im Zuge der Trennung von einer geliebten Person ist am Erscheinungsbild nicht unterscheidbar von einer Depression als Nebenwirkung einer körperlichen Erkrankung. 

 

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III. Depressionsformen und mögliche Ursachen


Üblicherweise werden depressive Störungen unterschieden:

 

  1. nach dem Schweregrad, eingeteilt in leicht, mittel oder schwer. Beobachtet wird, inwieweit der/die Betroffene noch in der Lage ist, den vorher gewohnten Alltag in Beruf oder Ausbildung und im sozialen Umfeld aufrecht zu erhalten.
    Dazu gehört auch, ob jemand noch zumindest zeitweise Abstand zu seinen negativen Gedanken und Gefühlen hat und für Familienangehörige, Partner und Freunde zugänglich ist, oder ob, in ganz schweren Fällen, Selbstmordgefahr besteht.
  2. nach den Entstehungsursachen, die vielfältig sind. Im Folgenden finden Sie nähere Beschreibungen dieser Formen, unterschieden nach vermuteten Auslösern:
     



 

Reaktive Anpassungsstörung

Die Person reagiert auf ein äußeres, zumindest für sie selbst nachvollziehbares, unmittelbar auslösendes, einschneidendes Ereignis in ihrem Leben ( z.B. Trennung, Tod,...).

Wenn der Betroffene die Veränderungen bewältigt hat, klingen die Symptome relativ rasch wieder ab und können eine einmalige Episode bleiben. Dauert die depressive Phasen länger an oder tritt wiederholt auf, müssen weitere Ursachen angenommen werden
Depressionsformen

 

Neurotische Depression

Die Bezeichnung „neurotisch“ weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Ursachen auf psychische Konflikte in der Lebensgeschichte der Betroffenen zurückzuführen sind. Bereits in der Vergangenheit entstand die Neigung in der Persönlichkeit, auf Belastungssituationen der Gegenwart mit depressiven Symptomen zu reagieren.

Gerade im universitären Umfeld werden bestehende neurotische Tendenzen gar nicht so selten aktualisiert. Belastend wirken:
 

  • schwierige und teilweise unklare Leistungsanforderungen
  • wenig haltgebende soziale Strukturen eines Universitätsstudiums
  • häufig offene Zukunftsperspektiven von Studierenden.


Es ist meist das Zusammenwirken äußerer Ereignisse und innerer Faktoren, die zur Entstehung beitragen, wie die folgenden Beispiele:

 

  1. Belastungen aus der Kindheit können, ohne dass sie einem
    bewusst
    zugänglich sind, die Grundlage sein. Lange zurückliegende psychische Defizite, Verletzungen und Konflikte können sich an einem aktuellen Anlass, der nach außen nicht so dramatisch erscheint, aktualisieren: 
  • Als Kind erlebt jemand immer wieder, dass sie/er sich mit seinen Wünschen oder Abgrenzungsversuchen nicht durchsetzen kann. Als Lebensmotto entsteht Resignation: „Es ist sowieso sinnlos“. Nach missglückter Prüfung (die vielleicht gar nicht wichtig war) kommt die neurotische Depression plötzlich zum Ausbruch. 
  • Eine sog. „gelernte Hilflosigkeit“ kann ebenfalls einer neurotischen
    Depression zugrunde liegen, erworben dadurch, dass die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Kindes häufig abgeschnitten wurden oder das Beispiel eines hilflosen Elternteils zu gut „erlernt“ ist. Der Lebenspartner verlässt den/die Betroffene/n und er/sie wird von einer Depressionen eingeholt.
  1.  
  2. Auch nicht verarbeitete Konflikte im Zuge von Scheidungen, Gewalt,
    Missbrauch und Schuldgefühle können den Nährboden für eine Depression abgeben.
  3. Häufig neigen auch besonders gewissenhafte Menschen mit sehr hohen Selbstanforderungen zu depressiven Störungen nach dem Motto „Nobody is perfect, but I have to be“. Ein grandioses Selbstbild, das als Folge von verinnerlichten Erwartungen oder als Kompensation von Kränkungen errichtet wurde, muss fast zwangsläufig immer wieder an der Realität scheitern.


 

So betrachtet deckt eine neurotische Depression auch immer ein schon lange schwelendes Thema des Betroffenen auf - damit ist aber auch immer eine Chance zur Veränderung geboten!



Zum Aufarbeiten solcher Verhaltensweisen und ihrer psychologischen Hintergründe und um spätere Rückfälle in depressive Episoden zu vermeiden, ist Psychotherapie oder psychologische Beratung häufig zweckmäßig.


 

Endogene Depression

Bei Menschen, die in ihrem Lebensverlauf mehrere depressive Episoden erleiden ohne unmittelbare Auslöser, wird häufig eine „endogene Depression“ angenommen.

Dabei wird von einer ererbten Disposition ausgegangen, das Risiko einer Erkrankung ohne gravierende äußere auslösende Faktoren liegt viel höher.

Nach aktueller Forschungslage sind die neurotische und endogene Depression nicht genau gegeneinander abgrenzbar. Häufig ist auch bei Letzterer von körperlichen und psychischen Faktoren auszugehen.

Eine Kombination von medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung ist dabei zielführend.


 

Manisch-depressive Störungen, d .h., depressive Episoden im Zuge bipolarer Störungen

Wenn depressive Phasen mit Phasen besonders auffallender Hochstimmung abwechseln, wird die Bezeichnung manisch-depressive Störung verwendet.
Bipolare Störungen treten auch mit 90%iger Wahrscheinlichkeit wiederholt auf.

Dabei geht es nicht um Stimmungsschwankungen in der Bandbreite des landläufigen „von himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt“, die besonders in der Pubertät und Adoleszenz typisch sind.

Die Hochstimmungsphasen der Betroffenen müssen:
 

  • über einen längeren abgegrenzten Zeitraum auftreten (Minimum eine Woche)
  • die „Aufgedrehtheit“ ist gleichsam die Kehrseite der Depression


 

Kennzeichen der manischen Phase:

 

  • gesteigerte Aktivität im Arbeitsalltag
  • in der Sexualität
  • deutlich verringertes Schlafbedürfnis
  • sprunghaftes Denken
  • Zerstreutheit
  • waghalsige Unternehmungen
  • häufiges Schuldenmachen
  • verstärkte Redseligkeit und Kontaktfreudigkeit
  • übertriebenes Selbstdarstellungsbedürfnis von unrealistischer Grandiosität
  • fehlende Krankheitseinsicht.


Dabei ist die soziale Umgebung mit betroffen, in extremen Fällen kann ein Erkrankter seine Familie mit finanziellen Projekten ruinieren oder es kommt zu massiven Schwierigkeiten in Partnerschaft und im Arbeitsalltag.

Wer in euphorischer Hochstimmung schwelgt, erlebt sich dabei auch nicht als behandlungsbedürftig. Dennoch bietet sich vor allem eine medikamentöse Behandlung an, kombiniert mit einer Aufarbeitung von psychischen und aktuellen Ursachen und Folgen.

Zur Schadensbegrenzung und zum Schutz des Patienten ist bei schweren Fällen eine Klinikeinweisung erforderlich.


 

Depressive Symptome im Zuge körperlicher Erkrankungen

Außer psychischen Auslösern kann eine depressive Symptomatik auch die Folge von körperlichen Erkrankungen sein. Als häufigste Ursachen kommen in Frage:

Hirndurchblutungsstörungen, Infektionskrankheiten, Störungen des Hormonhaushalts, Herzinsuffizienz, Fehl- oder Mangelernährung,...

Im Sinne ärztlicher Sorgfalt ist eine medizinische Abklärung
von Depressionsursachen unumgänglich und der Weg zum Hausarzt der erste Schritt in der Behandlung.


 

Depression als Nebenwirkung von Medikamenten/ als Folge von Abhängigkeitserkrankungen

Da die Balance von Botenstoffen im Gehirn unmittelbar mit Antrieb und Stimmung verknüpft ist, haben eine Reihe von Medikamenten und Hormonen Auswirkungen, die bis zur Ausbildung von depressiven Symptomen reichen können.

Vom Erscheinungsbild sind sie nicht von psychisch bedingten Symptomen unterscheidbar. Medikamente für Herz- und Kreislauferkrankungen, blutdrucksenkende Mittel, die „Pille“, auch einige Antibiotika können
Depressionen als drastische Nebenwirkung haben.

Auf ähnliche Weise können auch suchterzeugende Substanzen wirken,
z.B. Alkohol, Schlafmittel, Beruhigungsmittel,... . Depressionen können sowohl bei einer bestehenden Abhängigkeit oder im Zuge einer Absetzung/Entwöhnung auftreten.


 

Winterdepression

Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Depressionen und jahreszeitlich bedingtem Lichtmangel in den Herbst- und Wintermonaten wissenschaftlich bestätigt.

Betroffene bemerken:
 

  • depressive Verstimmung
  • große Müdigkeit
  • außerordentlich hohes Schlafbedürfnis (der Vergleich mit Tieren im Winterschlaf drängt sich auf)
  • verstärkten Appetit auf Kohlehydrate wie Süßigkeiten, Brot und Nudeln.


Hilfe bei Winterdepression kann sowohl gezielte Bewegung und Ernährung, wie Lichttherapie und psychotherapeutische Unterstützung bieten. 

 

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IV. Was tun bei Anzeichen einer depressiven Störung?


Immer wenn im Leben Schwierigkeiten auftauchen ist es gut, das Gespräch mit Freunden oder Familienangehörigen zu suchen, zur Selbsthilfe zu greifen, sich zu informieren, zu überlegen, was in vergleichbaren Situationen bereits geholfen hat und nicht zu warten, bis sich die Schwierigkeiten womöglich zu einer Depression verdichten.

Ist es bereits so weit, dann kostet es oft erhebliche Überwindung, sich selber und dem sozialen Umfeld eine Depression einzugestehen. Betroffene geben sich selbst oft die Schuld an ihrem Zustand, sie wollen sich möglichst lange „zusammenreißen“ und niemandem zur Last fallen. Ratschläge oder die erlebte Hilflosigkeit der Umgebung haben einen weiteren Rückzug zur Folge.

Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn Ihre depressiven Störungen ein Ausmaß annehmen, dass ihr ganzes Leben bereits darunter leidet. Vor allem bei schweren Formen von Depression, die mit einem Suizidrisiko verbunden sein können, zögern Sie nicht, und wagen Sie den Schritt nach außen!

Der erste Ansprechpartner kann ein Vertrauensarzt oder ein Psychotherapeut in privater Praxis sein. Weitere Anlaufstellen sind:
 

  • Ambulanzen einer Klinik,
  • Selbsthilfegruppen, in der Erfahrungen und Informationen weitergegeben werden,
  • psychosoziale Einrichtungen.


An all diesen Stellen finden Sie auch Beratung für Angehörige, wenn es sich nicht um Sie selbst, sondern um einen nahe stehenden Menschen handelt.

 

Ärztliche Hilfe:

Eine Abklärung auf psychologischer und/oder medizinischer Ebene ist in jedem Fall nötig. Wichtig dabei ist, dass sich ihr Gesprächspartner Zeit nimmt, die Situation und die möglichen Hintergründe in vertraulicher Atmosphäre zu klären und gegebenenfalls weitere Maßnahmen einleitet.

Für die meisten Formen der Depression ist eine Psychotherapie die auf lange Sicht wirksamste Behandlungsmethode. Wenn das Alltagsleben des Betroffenen in schwererem Maß beeinträchtigt ist, bewährt sich erfahrungsgemäß die Kombination von Medikamenten und Psychotherapie. Abzuraten ist aber vor medikamentösen Selbstversuchen ohne gründliche ärztliche Abklärung und Information.

Für ein persönliches Gespräch mit uns vereinbaren Sie einfach einen Termin. Psychologische Beratungsstelle für Studierende

 

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© Wolfgang Mayr
  

 

V. Literatur und Links

 

 
Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung | Minoritenplatz 5, A -1014 Wien| Tel: +43/1/53 120-0 | www.bmwf.gv.at | Realisiert von kest zusammen mit PCE