I. Was versteht man unter einer Krise?
Eine Krise im psychosozialen Sinn besteht im Verlust des seelischen Gleichgewichts, wenn ein Mensch mit Ereignissen oder Lebensumständen konfrontiert wird, die er im Augenblick nicht bewältigen kann.
Frühere Erfahrungen im Bewältigen schwieriger Lebenssituationen stehen den Betroffenen in der Krise nicht zur Verfügung bzw. sind diese Strategien ineffizient geworden.
Die innere Bedeutung des Krisenanlasses und die Fähigkeit sich damit auseinander zu setzen sind mitbestimmend, ob eine Krise entsteht und in welcher Intensität sie auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene zum Ausdruck kommt.
Der Verlauf einer Krise hängt ab von der Qualität der Selbst- und Fremdhilfe und des frühen, am besten sofortigen Einsetzens und Anbietens von Hilfe.
Persönliche Probleme Krisenhafte Lebenssituationen
II. 2 Typen von Krisen
Es ist hilfreich, zwischen 2 Arten von Krisen zu unterscheiden:
1. Lebensveränderungskrisen entstehen aus Umständen, mit denen gerade Studierende oftmals konfrontiert sind.
- Die Studienzeit ist ein Lebensabschnitt mit generell vielen Veränderungen.
- Die Reaktion auf diese Veränderungen erfolgt in der Regel in Reifungsschritten, die von vielen StudentInnen durchaus als positive Herausforderung erlebt werden.
- Wenn diese Reifungsschritte unter bestimmten Umständen blockiert sind und es zu keiner Weiterentwicklung kommt, kann das zu einer psychischen Krise führen.
- Anlässe: entwicklungsbedingte Ereignisse wie Ablösung von den Eltern, Sorgen bezüglich des Lebensunterhalts (Existenzsorgen), Verlust der vertrauten Umgebung, Arbeitsstörungen, leistungsmäßige oder soziale Überforderung, Misserfolge,...
2. Traumatische Krisen entstehen hingegen:
- In einer plötzlich aufkommenden Situation, die
- die psychische Existenz, die soziale Identität und Sicherheit und/oder die fundamentalen Befriedigungsmöglichkeiten bedroht
- Anlässe: einschneidende Schockerlebnisse wie der Tod eines nahe stehenden Menschen, Natur- und Unfallkatastrophen, plötzliche Invalidität, aber auch Trennung, Scheidung, Heirat, Geburt eines Kindes, soziale Kränkung, unerwartetes Versagen,... .
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III. Wie erkenne ich Krisen
Eine Krise kann sich auf verschiedenen Ebenen manifestieren:
Aber nicht jede/r, der solche Veränderungen zeigt, steckt in einer Krise, -
umgekehrt müssen bei Weitem nicht alle angeführten „Symptome“ vorhanden sein, um bereits von einer Krise sprechen zu können.
1. Psychische Symptome:
Gefühle:
- Angst und Panik treten auf
- Gefühle der Hilflosigkeit und Verlorenheit stehen im Vordergrund
- die Lage wirkt ausweglos
- man ist angespannt und erregt
- Labilität, der kleinste Anlass reicht aus, um den Zustand weiter zu verschlechtern.
Denken:
- Menschen und Situationen werden undifferenziert wahrgenommen
- man sieht die Welt nur mehr schwarz-weiß
- Orientierungslosigkeit im Urteil, was persönlich gut und richtig ist
- die Gedanken drehen sich wie ein Karussell um die selben wenigen Dinge
- irrationale Gedanken drängen sich auf („Das ist alles nur ein Irrtum.“)
- Denken ist eingeengt, Handlungsalternativen oder Möglichkeiten für die Zukunft können nicht wahrgenommen werden
- Konzentrationsschwierigkeiten, Lern- und Leistungsprobleme
- Flucht in eine Traumwelt
Verhalten:
- die Krise macht den Betroffenen desorganisiert und fahrig
- Handlungen sind sprunghaft und unkoordiniert, oft ziellos und werden nicht zu Ende gebracht
- teilweise aggressives Verhalten, verbunden mit sozialem Rückzug
- häufig verändert sich das Essverhalten
- Ersatzhandlungen werden durchgeführt, die für Außenstehende absurd erscheinen, z.B. Wäschewaschen und Aufräumen nach einer Todesnachricht
- in extremen Formen kommt es zu Vandalismus oder
- Gewalt gegen sich selbst Selbstmordgedanken
2. Körperliche Beschwerden:
- Schlaflosigkeit, Abgeschlagenheit und starke Müdigkeit, manchmal als erster (einziger) Hinweis
- Herzrasen, Atemnot, Zittern
- Magen- und Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel und Beschwerden im gesamten Bewegungsapparat.
- Appetitlosigkeit verbunden mit Gewichtsabnahme
- Essattacken, Bulimie oder Magersucht
3. Soziale Beziehungen:
- Abwendung von Freunden, Familie und Interessen; Abkapselung
- Es herrscht gegenseitiges Unverständnis, die betroffene Person kann ihre Mitmenschen, die anderen können den Betroffenen nicht mehr verstehen.
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IV. Schritte zur Bewältigung von Krisen
Der Verlauf einer Krise, ihre Intensität hinsichtlich Schwere, Symptomatik und nötiger Behandlung hängt direkt ab von der Qualität der Selbst- und Fremdhilfe und des sofortigen und frühzeitigen Einsetzens und Anbietens der Hilfe.
Hilfe zur Selbsthilfe:
T I P P !
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1. Identifizieren Sie den Krisenanlass!
2. Schützen Sie sich!
3. Suchen Sie positiven Kontakt!
4. Erwägen Sie auch professionelle Hilfe!
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Der erste Schritt besteht darin sich klar zu machen, was passiert ist, welche Gefühle man hat und warum. Als nächstes sollten Schutzmöglichkeiten bedacht werden, um die physische und psychische Gefahr zu minimieren. In Krisen neigen wir dazu, uns von unseren Beziehungen zu isolieren. Positiver mitmenschlicher Kontakt fördert aber die Bewältigung einer Krise wesentlich: wir brauchen Menschen um uns, die sich um uns kümmern und uns Halt bieten. Organisieren Sie sich außer der emotionalen Unterstützung auch professionelle Hilfe. Kontaktieren Sie z.B. die |
Professionelle Hilfe sollte auf jeden Fall dann in Anspruch genommen werden, wenn Menschen akut in ihrer Identität bedroht sind, sei es durch Suizid, Kurzschlusshandlungen, Amoklauf oder psychotische Dekompensation!
Die wichtigsten Ziele bei einer Krisenintervention sind:
- ein rascher Beginn der Hilfestellung
- die Konzentration auf ein aktuelles, klar abgegrenztes Problem
- eine begrenzte Dauer
- eine aktive Haltung der Helfer
Eine tief greifende Persönlichkeitsänderung – wie im Rahmen einer Psychotherapie - wäre zu diesem Zeitpunkt nicht sinnvoll. Es würde damit nur zu einer zusätzlichen Belastung kommen.
Ein wichtiger Aspekt für effektive Hilfe ist die Zusammenarbeit mit Angehörigen und Mitarbeitern verschiedenster psychosozialer Berufsgruppen.
Für ein persönliches Gespräch mit uns:
Psychologische Beratungsstelle für Studierende
Persönliche Probleme Krisenhafte Lebenssituationen
© Gertraud Meusburger


