Studienbewältigung
 

  

Prüfungen erfolgreich bestehen



I. Zielgerichtet für die Prüfung lernen

 
Die Zeit der Prüfungsvorbereitung ist oft mit Zweifeln und Unsicherheiten verbunden: Was wird gefragt werden? Habe ich mir genug Zeit zum Lernen genommen? Werde ich den Stoff verstehen und kann ich mir das alles merken? ...
 

Es ist deshalb wichtig, sich passende Methoden und Strukturierungshilfen zu Recht zu legen und zur Routine werden zu lassen.

T I P P !
 

1. Verschaffen Sie sich zuerst Klarheit über

  • Prüfungsstoff
  • offizielle Prüfungsfragen
  • inoffizielle Listen von Prüfungsfragen im KollegInnenkreis
  • Prüfungsbedingungen: Anmeldung, Wiederholbarkeit, Arbeitsunterlagen, etc.
  • Sonstige Informationen über die Prüfung (z.B. Eigenheiten des Prüfers/der Prüferin wie Lieblingsthemen, Standardfragen; Erfahrungen der KollegInnen, etc.)

     

2. Arbeiten Sie mit der Methode der realistischen Arbeitsplanung:

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Umfang des „Prüfungsprojekts“
  • Erstellen Sie ein Lernprogramm in Form von Wochenplänen,
    bei kleineren Prüfungen mit Tagesplänen
  • Machen Sie realistische Pläne, die Sie auch einhalten werden können (Motivationseffekt!!)
  • Setzen Sie sich konkrete erreichbare Ziele für jede Lerneinheit (Motivationseffekt !!)
  • Planen Sie ausreichend Zeit für Wiederholungen sowie Zeitreserven für Störungen und Komplikationen ein, (aber geben Sie den „Zeitdieben“ beim Lernen dann trotzdem keine Chance!)
     

Weitere Tipps siehe Lernen mit Erfolg, Zeitmanagement, Lernstörungen


3. Nützen sie Ihre persönlichen Vorerfahrungen mit Prüfungen:

  • Strategien und Verhaltensweisen, die sich schon bewährt haben
  • Persönliche Stärken in der Prüfungsvorbereitung, auf die Sie aufbauen können
  • Fehler und Schwierigkeiten der Vergangenheit vermeiden, z.B.:
    • Beginnzeiten für das Lernen einhalten
    • Nicht in Einzelheiten verlieren
    • „Mut zur Lücke“ haben
    • Zeit für Wiederholungen einplanen


Es ist hilfreich, solche „Vorsätze“ zu verankern, in dem man einen Erinnerungszettel, in gut sichtbarer Form anbringt und damit immer wieder vor Augen hat.


4. Bereits beim Lernen die Art der Fragestellungen berücksichtigen: 

  • Werden vor allem Fakten in schriftlicher Form abgefragt?
  • Wie detailliert sollen die Antworten sein?
  • Geht es um mündliche Kurzdarstellungen?
  • Sind theoretische Modelle und Zusammenhänge zu erklären?
  • Müssen Beispiele gelöst werden?
     
  1. Lernen Sie mit dem Ziel, die Fragestellungen bei der Prüfung beantworten zu können. Fragen Sie sich selbst bei Wiederholungen in der Art, wie Sie bei der Prüfung gefragt werden.
     
  2. Arbeiten Sie mit aktiven und strukturierenden Lernmethoden, um das wenig effiziente „Passiv-vor-sich-hin-lesen“ zu vermeiden. Die Verbesserung Ihrer Lernmethoden kann wesentlich zum Erfolg beitragen!



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II. Mentale Vorbereitung

   
     
1. Positive innere Einstellung zur Prüfung


Soviel steht fest: Insgeheime Überzeugungen beeinflussen Arbeitsmotivation und Prüfungssituation beträchtlich. Wer unbewusst eine Niederlage befürchtet oder sogar erwartet, fördert mit dieser Haltung ein tatsächliches Versagen.
Zur Förderung einer positiven Einstellung zur Prüfung sollten negative Selbstaussagen durch positive ersetzt werden, denn man kann sein Denken über sich selbst verändern.

Hier einige Beispiele - Wo erkennen Sie sich?
 

Negative Selbstaussagen

  • Die ganze Lernerei bringt mich nicht weiter. 
  • Ich werde es ohnehin nicht schaffen.
  • Ich weiß, ich bin ein Versager.
Positive Selbstaussagen
  • Ich werde den Stoff oft genug wiederholen, damit er gut sitzt, das bringt mich weiter. 
  • Ich will es schaffen und werde alles tun, um die Prüfung zu bestehen. 
  • Diesmal werde ich bis zum Schluss der Prüfung kämpfen, ich will durchkommen.

 

 

 

 

 

 

 

 Positive Selbstaussagen müssen aber realistisch und glaubwürdig formuliert sein.
  

Falsch wäre: 

  • Ich weiß alles.
  • Ich werde sicher durchkommen.

Günstiger ist:

  • Ich bin gut vorbereitet und kann auf mein Wissen bauen.
  • Ich habe schon viele Prüfungen geschafft und ich tue mein Möglichstes, um auch diese Prüfung zu bestehen.

 

   
                 


 

 

2. Mentales Training zur Prüfungsbewältigung

Grundannahme des mentalen Trainings bei Prüfungsangst:

  • Je öfter ich mir die Bewältigung der Prüfungssituation vorstelle, umso vertrauter wird sie mir.
  • Was in der Vorstellung gelingt, wird auch in der Realität leichter bewältigt.


Konkrete Vorgangsweise:
 

  • Ich suche mir einen ruhigen Platz, konzentriere mich auf Ruhe und Entspannung.
  • Dann stelle ich mir die Situation vor: den Raum, den Prüfer, die KollegInnen, 
    wie ich dort sitze, eine Frage bekomme, überlege, antworte, ...


So kann ich lernen, mir die Prüfungssituation allmählich vertraut zu machen. Diese Übung kann ich auch bei der Wiederholung des Tagesstoffes anwenden.

 

3. Entspannungsübungen

Wenn man bereits in der Vorbereitung von schlimmer Prüfungsangst geplagt wird, kann es hilfreich sein,
 


Ein wenig kann man sich auch selbst mit einfachen Entspannungsübungen helfen, um etwas mehr Gelassenheit zu finden. Sie können z.B.:
 

  • sich 15 Min. ruhig hinsetzen oder hinlegen
  • eventuell entspannende Musik hören
  • Hände, Arme, Schulter, Nacken entspannen und dazu leicht bewegen
  • tief und ruhig atmen und dabei die Ausatmung betonen
  • sich angenehme Vorstellungen herbeiholen wie z.B. einen wunderbar ruhigen Ort,
    ein Bild mit friedlicher Stimmung, ...
  • nach der Übung: „zurück kommen“ in die reale Situation, sich bewegen, dehnen, strecken, „in Schwung bringen“
  • das Lernprogramm des Tages beginnen


 

4. Trainieren der Prüfungssituation

Im Vorfeld der Prüfung kann man sich möglichst vielen prüfungsähnlichen Situationen aussetzen. Eine gute Möglichkeit ist es, sich ähnlich wie bei der Prüfung abfragen zu lassen. So kann das eigene Verhalten trainiert und Prüfungsangst abgebaut werden.


 

5. Lernumgebung auf die Prüfung übertragen

Beim Lernen wird nicht nur die Information eingespeichert, es verbinden sich auch Impressionen aus der Lernumgebung mit dem Lernstoff (Gerüche, Bilder,... .)

Ein Experiment aus der psychologischen Lernforschung: Taucher, die sich unter Wasser einen bestimmten Lernstoff angeeignet haben, konnten diesen Lernstoff über Wasser kaum mehr abrufen, unter Wasser aber sehr wohl.

Gelingt es also, Reize aus der Lernumgebung in die Prüfung „hinüber zu retten“, kann dies die Leistung erhöhen. Ein bestimmtes Schreibgerät, ein „Maskottchen“ oder Ähnliches können das Lernen begleiten, zur Prüfung mitgenommen werden und damit Assoziationen herstellen - lernen Sie bspw. schon in Kleidung, die Sie bei der Prüfung tragen werden.

 

6. Kontakt mit dem Professor suchen

Wenn ein/e Prüfer/In sehr fremd oder unsympathisch ist, oder wenn man besondere Angst vor ihm/ihr hat - führen Sie ein Kontaktgespräch. Das entspannt emotional und Sie können sich auf die Persönlichkeit ihres Gegenübers einstimmen. Vielleicht lassen Sie auch ihr Engagement für Fach und Prüfung durchblicken.
Sprechen Sie eventuell auch Probleme mit Prüfungsangst an - Prüfer sind auch nur Menschen!


 

7. Am Tag der Prüfung:

  • Denken Sie daran, wie viel und was Sie alles gelernt haben
  • Keine Schuldgefühle darüber, was Sie vielleicht nicht oder zu wenig gelernt haben
  • Stoffgebiete überblicksmäßig noch einmal in Erinnerung rufen, aber
  • keinen neuen Stoff einprägen versuchen, - ist verwirrend und ineffektiv
  • etwas Angenehmes, Entspannendes tun
  • Entspannungsübungen anwenden
  • etwas Leichtes, Angenehmes essen
  • Stress und turbulenten Situationen aus dem Weg gehen


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III. Verhalten in der Prüfungssituation

 
     


1. Handlungsstrategien für schriftliche Prüfungen:


T I P P !

  • Die Aufgaben von leicht nach schwierig beantworten, Erfolgserlebnisse bauen auf!
  • Die Zeit planen nach Komplexität und Schwierigkeit der Aufgaben und/oder nach erreichbaren Punkten verteilen.
  • Genaue Fragestellungen im Auge behalten, Abschweifungen vermeiden.
  • Knapp gehaltene, präzise Antworten sind eher zielführend
    (Ausnahmen bestätigen die Regel).
  • Das Wissen und die Fachterminologie sollen „eindrucksvoll“ dargestellt werden.
  • Bei umfangreichen Themen sind Stichwortsammlung und Gliederung von Vorteil.
  • Bei Problemen vorerst zu anderen Aufgaben übergehen, später darauf zurückkommen.
  • Platz lassen für spätere Hinzufügungen.
  • Zeitreserve für Schlusskorrekturen nützen.
  • Kämpfen bis zum Schluss!



2. Handlungsstrategien für mündliche Prüfungen:


2.1. Kommunikationskonzept:


T I P P !

  • Ganz wichtig ist der Einstieg: Positiv beginnen, Zuversicht ausstrahlen, Blickkontakt suchen, offene Körperhaltung einnehmen, klar und laut sprechen
  • Frage wiederholen um sich rückzuversichern, dass Sie verstanden haben.
  • Bei Unklarheiten rückfragen bzw. um Wiederholung der Frage bitten, wenn Sie unsicher sind oder Zeit gewinnen möchten.
  • Aktiv kommunizieren und laut denken mit Formulierungen wie z.B.:
    „Ich verstehe Ihre Frage in die Richtung ...“
    „Ich möchte beginnen mit ... und darauf aufbauen ...“
    „Soll ich das noch genauer erklären?“
    „Ich komm später noch auf den Begriff, aber es handelt sich ...“.
  • Möglichst nie verstummen, den Dialog aufrecht halten.
  • Reaktionen des Prüfers beachten. Zustimmende oder ablehnende Körpersignale berücksichtigen.
  • Fragestellung nicht aus den Augen verlieren.
  • Interessant und strukturiert darstellen. Nicht zu kompliziert verzetteln.


2.2. Innere Haltung:


T I P P ! 

  • Nervosität nicht überbewerten und nicht krampfhaft verbergen wollen.
    Eine unruhige Stimme oder zittrige Hände sind bei einer Prüfung angemessen und werden vom Prüfer verstanden und akzeptiert.
  • Zeigen Sie ohne falsche Bescheidenheit, was Sie wissen, eventuell auch Dinge, die über den unmittelbaren Prüfungsstoff hinaus gehen.
  • Nicht resignieren, wenn Sie etwas nicht auf Anhieb wissen.
    Aussprechen, was Sie ansatzweise wissen.
    • Prüfer die Chance geben, Ihnen zu helfen.
    • Hilfen und Tipps des Prüfers auch aufgreifen – in Dialog treten.
    • Eventuell umlenken auf ein (Teil-)Gebiet, das Sie beherrschen.
    • Lücken und Unsicherheiten durchaus eingestehen, aber
    • sich selbst niemals schlecht machen!
  • Prüfung durchstehen, auch wenn es schwierig wird und sich eventuell ein Scheitern abzeichnet. Das kann nicht nur helfen vielleicht doch noch durchzukommen, sondern auch zu erleben, dass misslungene Prüfungen nicht dramatisch und traumatisch sein müssen.


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© Michael Schilling, Eva Massoth

     
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