I. Reden – eine Schlüsselqualifikation
Referate werden in Seminaren häufig vergeben. Eine ganz normale Situation im Studienalltag und eine gute Gelegenheit, sein Wissen, kreative Ideen und auch seine Persönlichkeit darzustellen.
Viele StudentInnen trauen sich allerdings nicht ein Referat zu übernehmen, sondern weichen auf schriftliche Arbeiten oder Prüfungen aus. Vielleicht hat man die falsche Einstellung zu Referaten und zum Reden allgemein, auf jeden Fall fehlt die Routine.
Man/frau kann aber auch wenig positive Erfahrungen machen, wenn man das Referat herunter liest, um es irgend wie hinter sich zu bringen, ohne die Herausforderungen, die ein Referat vor einer größeren Zuhörerschaft bietet, zu nützen. Je weniger Routine man hat, desto mehr meidet man das Thema Referate. Daraus kann schnell ein Teufelskreis entstehen. Und am Ende steht man vor dem Studienabschluss und hat noch kein einziges Referat (in befriedigender Weise) gehalten.
Redefähigkeit und Redefertigkeit sind Schlüsselqualifikationen, die bei Studienabschluss und im späteren Beruf vorausgesetzt werden. Gute Präsentationen im Studium als auch im Berufsalltag erleichtern die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema und tragen so auch zu einem besseren Studien- und Arbeitsklima bei.Erfassen Sie Ihren rhetorischen Ist-Zustand:
C H E C K !
- Wie viele Referate habe ich schon gehalten?
- Wie oft habe ich solche Situationen vermieden?
- Wieviel Zeit habe ich mit der Vorbereitung verbracht?
- Wie habe ich mich vor dem Vortrag gefühlt?
- Mit welchen Gefühlen denke ich an mein erstes und mein letztes Referat?
- Habe ich abgelesen oder frei geredet?
- Erinnere ich mich an die Rückmeldungen, die ich von anderen dazu erhalten habe?
II. Ziel und Funktion von Referaten
- Ein Referat ist meist eine Zusammenfassung über den Inhalt eines oder mehrerer Texte. Es soll vor allem den Aussagegehalt von Texten wiedergeben und zunächst nicht bewerten oder beurteilen.
- Als ReferentIn kann man jedoch an seine Textwiedergabe Bewertungen anschließen, in denen man mitteilt, was man zu dem im Text vertretenen Auffassungen denkt.
- In der Regel werden Thema und Ziel eines Referats vom Lehrenden festgelegt. Ist die umfassende inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema abgeschlossen, legt man fest, was man seinen Zuhörern vermitteln will. Welche Kerngedanken sollen die Zuhörer von dem Referat mitnehmen? Damit ist gleichzeitig auch die Zielrichtung des Referats festgelegt. Vom Ziel abgeleitet kann man die Gliederung für das Referat erstellen.
III. Aufbau von Referaten
T I P P !
- Die Grundgliederung eines Referats besteht aus Einleitung, Hauptteil und Schluss.
- Ein Referat sollte in der Regel, wenn nichts anderes vorgegeben wird, 15-20 Minuten dauern.
- Als ReferentIn sollten Sie während des Vortrags möglichst frei reden und alle Seminarteilnehmer ansprechen, nicht nur den Seminarleiter.
- Zur Unterstützung der freien Rede kann man einen guten Stichwortzettel mitnehmen um keinen wichtigen Gedanken zu vergessen.
- Ein weiterer Vorteil des Stichwortzettels besteht darin, dass Sie immer mit vollem Blickkontakt zum Publikum sprechen und seine Reaktionen punkto Verständlichkeit, Redetempo, Lautstärke u.a. beobachten können.
Einleitung: Einstieg in das Thema
- Die Zuhörer „ins Boot holen“: Diese Phase soll die Zuhörer aufmerksam machen und sie für das Thema interessieren. Man kann zum Beispiel das Thema durch eine Frage anreißen, zeigt ein Zitat, erzählt eine Anekdote, oder bezieht sich auf einen brisanten Anlass, der mit dem Thema in Zusammenhang steht.
- Gegenstand und Gliederung angeben: Das Thema des Vortrages wird vorgestellt und abgegrenzt. Eine Gliederung gibt an, wie das Referat strukturiert ist und welche Punkte behandelt werden.
- Methoden offenlegen: Hier sollten Sie erklären, wie Sie zu Ergebnissen gekommen sind. Ebenso gibt es hier Verweise, welche Quellen für das Referat herangezogen wurden.
Hauptteil: Zum Thema kommen
- Sinnvoll ist es, die Diskussion des Forschungsgegenstandes in drei bis vier Informationsblöcken aufzuarbeiten, es präzise und wertfrei darzulegen. Was sagen Quellen, andere Autoren oder frühere Forschungsergebnisse?
- Konzentrieren Sie sich bewusst auf das Wichtigste, da zuviel Stoff ermüdet und die Zuhöreraufmerksamkeit abschweifen lässt. Diese Vorselektion der Fülle von Information gehört mit zu den schwierigsten Aufgaben der Vorbereitung, die aber über das Gelingen des Referates oft entscheidet!
- Bei längeren Referaten ist es wichtig „Wegweiser“ und Orientierungshilfen durch die Information zu geben, z.B. die Gliederung immer wieder transparent zu machen, jeden neuen Punkt anzukündigen, Gliederungspunkte mit interessanten Überschriften zu benennen oder kleine Zusammenfassungen zwischen den Informationsblöcken einzuarbeiten.
- Eigene Forschungserkenntnisse und eine mögliche Bewertung des Themas bilden den Abschluss des Hauptteiles. Welche Ergebnisse haben Sie selbst erarbeitet? Wie bewerten Sie diese Ergebnisse in Hinblick auf die obengenannten Theorien? Wie ist Ihre Interpretation des dargestellten Themas?
Schlussteil: rundet das Thema ab
- Zusammenfassung: Hier resummieren Sie die Kerngedanken des Themas und deren Bedeutung und Wichtigkeit für den Zuhörer. Wurde das Referat mit einer Frage begonnen, kann die Beantwortung dieser Frage einen überzeugenden Abschluss darstellen.
- Einleitung der Diskussion: Über welche Inhalte möchten Sie nach der Präsentation diskutieren? Formulieren Sie die Fragestellung entsprechend Ihrer Zielsetzung.
IV. Medien gezielt einsetzen
Die Wirkung des gesprochenen Wortes kann und soll man mit Medien unterstützen. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto mehr kann sich der Zuhörer merken. Informationen, die sich der Zuhörer schwer vorstellen kann, können durch optische Mittel dargestellt werden, damit werden sowohl das Verständnis als auch die Behaltensleistung unterstützt.
- Es stehen verschiedene Hilfsmittel zur Visualisierung zur Verfügung: Kreidetafel, Flip Chart, Overheadfolien, Moderationswand und Powerpoint-Präsentationen oder Videoclips mit Videobeamer.
- Auf einem Hand-out sind die wichtigsten Inhalte und Thesen des Referats zusammengefasst. Es enthält - neben den üblichen Angaben zum Seminar, dem Thema, Angaben zum Referenten – vor allem Thesen, Zitate, Bildmaterial in gegliederter Abfolge der vorgetragenen Argumentation.
Genaue Hinweise auf verwendete Quellen und Literatur schließen das Papier ab. Die Zuhörer können das Thesenpapier mit nach Hause nehmen und als Lernunterlage verwenden. Das Thesenpapier wird besser erst nach dem Halten des Referats ausgegeben, da sonst die Gefahr besteht, daß die Zuhörer schon vor-lesen und Ihnen nicht mehr volle Aufmerksamkeit schenken.
V. Lampenfieber: Was tun?
Gerade zu Beginn des Studiums empfinden die meisten StudentInnen vor einem Referat mehr oder weniger starke Aufregung. Dies ist nichts Ungewöhnliches, auch das Publikum kennt solche Gefühle und hat Verständnis dafür. Mit zunehmender Routine bekommt man diese Nervosität aber in den Griff.
Im Folgenden einige Tipps, wie man vor und während des Vortrags mit dem Lampenfieber umgehen kann.
T I P P !
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Ruhig atmen
Bei Aufregung oder Anspannung atmen die meisten Menschen automatisch schneller und flacher. Atmen Sie zunächst kräftig aus und bei den folgenden Atemzügen langsam und tief durch. Autosuggestionen unterstützen den Übergang zur ruhigen Atmung: „Mein Atem ist ruhig und entspannt.“
Werden Sie während des Vortrages „atemlos“, sprechen Sie langsamer und schalten ein paar solcher bewusster Atemzüge ein, bis der Atemrhythmus wieder passt.
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Angstgedanken abschalten
Sie können Ihre Angst durch Phantasien wunderbar „nähren“, indem Sie sich z.B. ausmalen, was bei dem Vortrag alles passieren kann. Stoppen Sie diese Gedanken!
Eine ganz einfache Technik dazu: Sagen Sie sich beim Einatmen „eins“ und beim Ausatmen „zwei“ so lange, bis Sie sich befreit fühlen. Damit blockieren Sie die Möglichkeit, in Sprache zu denken, und weitere Angst-Gedanken zu produzieren.
Sollten Sie Ihren Ängsten nicht Herr werden und Hilfe benötigen, wenden Sie sich an eine Psychologische Beratungsstelle für Studierende.
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Autosuggestionen einüben
Das sind Sätze, die man zu sich selbst spricht. Offensichtlich wirken diese Sätze beruhigend auf die emotionalen Teile des Denkens. Wenn man sich diese Sätze immer wieder vorsagt oder denkt, so automatisieren sie sich. In kritischen Momenten können sie dann abgerufen werden und wirken beruhigend. Außerdem blockieren Sie gleichzeitig die Angstphantasien.
Autosuggestionen sollen positiv, aufbauend, für sich selbst glaubhaft sein und können wie folgt lauten:
„Ich bin gut vorbereitet“
„Ich bin ganz ruhig“
„Ich gebe mein Bestes“. -
Sich bestmöglich vorbereiten
Angst wird auch reduziert, wenn man als ReferentIn weiß, dass man gut gearbeitet hat, das Referat also inhaltlich und didaktisch optimal aufbereitet ist. Alle Vorbereitungen sollte spätestens einen Tag vor dem Referat abgeschlossen sein. Die ersten und letzten Sätze können genau ausformuliert werden, damit sind Sie zu Beginn entlastet.
Eine sehr gute Möglichkeit ist auch, das Referat vor Freunden oder aber auch für sich alleine zu halten. Nur so finden Sie beispielsweise heraus, ob Ihre Textmenge für die vorgegebene Zeit passt.
Sie gewinnen überdies Sicherheit und Erfahrung, so lange durchgehend zu reden, werden aufmerksam auf heikle Passagen wie z.B. thematische Übergänge und können mit Redetempo und Lautstärke experimentieren. Gleichzeitig kann man die Beobachter fragen, ob die vorhandene Nervosität stark auffällt - meist ist die innere Angst äußerlich kaum sichtbar!
© Kathrin Wodraschke-Staudinger
VI. Literatur und Links
Pabst-Weinschenk, M.: Reden im Studium. Ein Trainingsprogramm. Cornelsen Verlag Berlin,1995
Kuhlmann, M.: Last Minute Programm für Vortrag und Präsentation. Campus Verlag Frankfurt, 1999
Hierhold, E.: Sicher präsentieren – wirksamer vortragen. Ueberreuter Verlag Wien Frankfurt 2000
www.ni.schule.de/~pohl/lernen/kurs/lern-10.htm
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