Soziale Kompetenz verbessern


 

I. Was ist Soziale Kompetenz?


Soziale Kompetenz gilt heute als Oberbegriff für ältere Konzepte wie Selbstsicherheit, Selbstvertrauen, Selbstbehauptung, Durchsetzungsvermögen, Kontaktfähigkeit. Als sozial kompetent gilt, wer es schafft, einen akzeptablen Kompromiss zwischen sozialer Anpassung und den eigenen Bedürfnissen zu verwirklichen.

Voraussetzung für Soziale Kompetenz ist Selbstkompetenz:

C H E C K !
 

  • sich mit eigenen Werten und Motiven identifizieren
  • eigene Fähigkeiten erkennen, um sie gezielt einzusetzen
  • eigene Schwächen erkennen, um sie zu akzeptieren oder reduzieren
  • mit eigenen Energien haushalten



Erst die adäquate Wahrnehmung von eigenen Fähigkeiten und Defiziten ermöglicht den Aufbau und Einsatz kompetenter Verhaltensmuster (sogenannter SKILLS) in sozialen Situationen.

Beispiele für sozial kompetente Fähigkeiten (SKILLS):

  • Fähigkeit, Nein zu sagen,
  • Wünsche, Forderungen zu äußern
  • Kontakte zu knüpfen, Gespräche zu beginnen, zu beenden
  • positive oder negative Gefühle offen zu sagen



Skills setzen sich aus verbalen und nonverbalen Verhaltensmustern zusammen:

Verbal: effektive Verwendung von Aufforderungen, Befehlen, Vorschriften, Fragen, Kommentaren, Redewendungen, „Ich“ statt „man“ Botschaften.

Nonverbale Komponenten: Blickkontakt, Gestik, Körperhaltung.


Sozial inkompetentes Verhalten liegt vor, wenn jemand eines dieser Verhaltensmuster in entsprechenden Situationen nicht oder nur unvollkommen verwirklichen kann.


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II. Erklärungsmodell für das Verhalten in sozialen Situationen


Wie man sich anderen Personen gegenüber verhält, hängt von der jeweiligen Situation ab.

Jede Situation ist charakterisiert durch:

  • soziale Aspekte wie die Anzahl von beteiligten Personen, Rollenverteilung, situationsspezifisch geltende Regeln
  • zeitliche Aspekte wie die Tageszeit
  • räumliche Aspekte wie die Größe des zur Verfügung stehenden Raumes
  • persönliche Bedingungen wie eigene Ziele, Bedürfnisse, Intentionen, Stimmungen



Situationen haben unterschiedlichen Anforderungs- und Aufgabencharakter.
Bspw. stellt es eine weit höhere Anforderung dar, sich in einer Diskussion in einem eng überfüllten Raum einzubringen, als sich bei einem gemütlichen Abendessen mit einer Freundin zu unterhalten.

Situationen werden wahrgenommen und bewertet. Dabei spielen bisherige Erfahrungen und die Selbstkompetenz eine wichtige Rolle: Wie kann ich reagieren? Mit welchen Konsequenzen ist zu rechnen?

 

Selbstunsichere Personen

  • nehmen soziale Situationen oft einseitig als Bedrohung wahr,
  • konzentrieren sich auf ihre „scheinbare Unfähigkeit“ und
  • unterschätzen ihre Bewältigungsmöglichkeiten.
  • Selbstkritisch werten sie sich beim Vergleich mit anderen ab
  • haben Angst zu versagen, sich zu blamieren, einen Fehler zu machen.
  • Selbstunsichere Personen nehmen oft Misserfolge vorweg,
  • sie führen diese auf ihre eigene Unzulänglichkeit zurück.
  • Erfolge werden dem Glück oder Zufall zugeschrieben.
  • Diese Fehleinschätzung wirkt negativ auf den Gefühlsbereich und
  • verhindert den Einsatz sozialer Fertigkeiten.


 

Ein Beispiel:

Selbstunsicheren Personen bereitet es oft Schwierigkeiten, sich in Diskussionen einzubringen, ihre Meinung zu äußern. Häufige und teilweise automatisierte Kognitionen in diesem Zusammenhang sind: „Ich würde ja gerne etwas sagen, doch womöglich mache ich mich nur lächerlich. Ich werde sicher rot, die anderen bemerken das und denken, der/die ist komisch...“.

Diese Art der Selbstinstruktion löst auf emotionaler Ebene Mutlosigkeit und in weiterer Folge Schweigen und sozialen Rückzug aus. Zurück bleibt der Ärger über sich selbst, die Selbstabwertung.

Jedoch Instruktionen wie: “Ich habe ein Recht meine Meinung einzubringen, die anderen sollen auf mich hören!“ führen zu Mut und Entschlossenheit. Diese Person wird ihre Meinung einbringen, laut und deutlich sprechen und selbstsicher auftreten.

Das „Sich nicht zu Wort melden“ stellt zwar kurzfristig eine Erleichterung dar und reduziert die Anspannung. Langfristig führt dieses „Sich alles gefallen lassen, Nicht durchsetzen, Nicht nein sagen“ zu persönlicher Unzufriedenheit und Unsicherheit.

 

Die Angst vor Kritik und Ablehnung erschwert das Durchsetzen von Wünschen und Bedürfnissen, „Nein“ sagen und die Abgrenzung gegenüber Forderungen anderer.


Selbstsichere Personen

  • haben auch Selbstzweifel und Misserfolg,
  • konzentrieren sich bei der Wahrnehmung von Situationen aber nicht ausschließlich auf ihre Anspannung und eventuelle Unsicherheit.
  • Sie gehen von ihren Fähigkeiten aus und entscheiden nach Lust-Unlust, Freude-Langeweile.
  • Die positiven und negativen Selbstinstruktionen sind ausgeglichener und erhöhen das Kompetenzvertrauen.
  • Negative Konsequenzen werden nicht sofort vorweggenommen und somit ist der Einsatz erwünschter sozialer Fertigkeiten leichter möglich.
  • Erfolge schreiben selbstsichere Personen ihren Fähigkeiten zu, Misserfolge eher externen Faktoren.

 

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III. Wie kann man Soziale Kompetenz entwickeln?


Trainings in Gruppen eignen sich sehr gut, um Sozialsituationen möglichst realistisch zu simulieren. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft, sich den Angstsituationen zu stellen und das Vermeidungsverhalten aufgeben zu wollen.

In der Praxis hat sich beispielsweise das verhaltenstherapeutisch orientierte Selbstsicherheitstraining (Assertiveness-Training-Programm) nach Ullrich und Ullrich sehr bewährt.

Ziel dabei ist die Verbesserung der sozialen Fähigkeiten, wie

  • berechtigte Forderungen stellen zu lernen: Auskünfte erfragen, sich beschweren, auf etwas bestehen, jemanden um einen Gefallen bitten, etwas für sich oder andere zu verlangen.
  • Unpassende Forderungen oder Bitten abschlagen, Nein sagen lernen: es nicht allen recht machen wollen, auf die eigenen Bedürfnisse achten und es aushalten lernen, dass andere deswegen verärgert sein könnten. Auseinandersetzungen nicht konfliktscheu ausweichen, eine Bitte abschlagen, einen Vorschlag zurückweisen.
  • Kritik äußern und ertragen sowie öffentliche Beachtung aushalten lernen: Kritik offen, bestimmt und in akzeptabler Form ausdrücken lernen.
  • Kontakte herstellen und aufrechterhalten lernen: eigene Gefühle mitteilen, auf andere eingehen, körperliche Nähe ertragen, nonverbale Kontaktfähigkeit verbessern (Blickkontakt, Lächeln, bestimmte Körperhaltung, Stimme...).


 

Sozial kompetentes Verhalten erhöht jedoch auch das Risiko negativer Konsequenzen. Je kompetenter das Verhalten, umso größer ist die „Gefahr“, kritisiert zu werden. Selbstlob und Selbstermutigung werden umso wichtiger.


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© Petra Sandner


     
 

IV. Literatur

  
Merkle, R.: So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen. Praktischer Ratgeber zur Überwindung von Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln. PAL–Verlag.

Wolf, D.: Ängste verstehen und überwinden. Gezielte Strategien für ein Leben ohne Angst. PAL-Verlag.

 

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